Über den Zusammenhang zwischen einem Flugpraxistraining in Meduno, sächsischen Sprachkenntnissen und der „Bohemian Rhapsody“ von Queen.
FMF41.26: Eine Flugpraxiswoche in Meduno im Herbst – das war auch für mich eine Premiere. Bisher war ich mit meinen Trainingsgruppen immer im Mai und Juli hier. Aufgrund der großen Nachfrage hatten wir nun noch eine zusätzliche Woche ins Papillon-Programm aufgenommen. Und ich kann schon mal verraten: Es wurde eine ganz besondere Woche!
Neu war für mich auch die Zusammenarbeit mit meinem Fluglehrer-Kollegen Claus Thiele in Meduno. Wir hatten zwar schon hin und wieder gemeinsam in Lüsen geschult, aber in dieser Konstellation waren wir hier noch nicht unterwegs. Immerhin hatten wir uns in Lüsen mit einem intensiven Sprachtraining aufeinander vorbereitet: Sächsisch–Deutsch und Deutsch–Sächsisch. Damit sollten auch für unsere Teilnehmenden die größten sprachlichen Hürden überwunden sein. 😃
Alte Bekannte, neue Gesichter und erste Begegnungen in der Luft
Ein Großteil unserer Gruppe bestand aus „alten“ Bekannten aus früheren Trainings. Aber natürlich waren auch ein paar neue Gesichter dabei. Einige der Wiederholungstäter waren sogar schon zum zweiten oder dritten Mal in diesem Jahr mit uns in Meduno!
Einige, die das Fluggebiet bereits kannten, waren schon ein paar Tage vor dem offiziellen Kursbeginn angereist. Bis ich endlich selbst eintraf, hatten sie bereits ordentlich Airtime gesammelt. Prima! Genau das ist schließlich eines unserer Ziele: Die Pilotinnen und Piloten sollen immer selbstständiger werden, ihre eigenen fliegerischen Entscheidungen treffen und sich zunehmend sicher und eigenverantwortlich im Fluggebiet bewegen.
Die besondere Gruppendynamik dieser Woche entwickelte sich deshalb schon, bevor wir überhaupt offiziell begonnen hatten. Manche Bekanntschaften wurden sogar direkt in der Luft geschlossen. Erst nach der Landung stellte sich dann heraus: „Ach, du gehörst auch zu unserer Flugpraxisgruppe!“
Und damit wären wir schon bei Queen.
Open your Eyes!
Bei einer dieser Begegnungen in der Luft war wohl jemand mit seinen Gedanken gerade etwas weiter weg. Ein beherzter Ruf „Open your Eyes!“ sorgte jedenfalls dafür, dass der vermeintlich im Tiefschlaf befindliche Pilot seinen Aufmerksamkeitspegel schlagartig wieder auf Betriebstemperatur brachte. Vermutlich mit einer kleinen zusätzlichen Adrenalindosis. 😊
„Open your Eyes“ – oder, wie Claus es übersetzen würde: „Moch de Glozzn off!“
Und wer kennt sie nicht, die legendäre „Bohemian Rhapsody“ von Queen? Gleich im Intro werden wir aufgefordert, die Augen zu öffnen und zum Himmel zu schauen. Später geht es in dem Song dann auch noch um den Wind. Na, wenn das nicht zu einer Gleitschirmwoche in Meduno passt!






Wenn der Wind bläst …
Denn Wind hatten wir durchaus. Und zwar zeitweise nicht zu knapp.
Aber genau dafür ist so ein Flugpraxistraining schließlich auch da. Wer seinen Schirm bei stärkerem und böigem Wind sicher beherrscht, kann sein nutzbares Startfenster deutlich erweitern – und damit auch die Möglichkeiten für einen schönen, ausgedehnten Flug.
Gerade die schirmzugewandten Aufziehtechniken und das kontrollierte Starten bei anspruchsvolleren Bedingungen standen deshalb immer wieder auf unserem Programm. Und der Lohn für die Mühe? Mehrere wunderbare Abendflüge im Hangaufwind, unser geliebtes „Magic Meduno“!
Wenn man abends gemeinsam am Monte Valinis entlangsoart, die weite Ebene vor sich hat und die Sonne langsam tiefer sinkt, dann weiß man wieder, warum man diesen Sport so liebt.
Eine ganze Wunschliste fliegerischer Ziele
Natürlich hatten unsere Teilnehmenden der Woche FMF41.26 noch ganz unterschiedliche persönliche Ziele mitgebracht. Da ging es um den Wiedereinstieg nach 18 Monaten Flugpause, das Wiedererlernen des Vorwärtsstarts oder darum, nach einer unangenehmen Außenlandung wieder Vertrauen in das eigene Fliegen zu gewinnen.
Andere wollten ihre schirmzugewandte Aufziehtechnik verbessern, sich mit einem neuen Liegegurtzeug vertraut machen, verschiedene Mid-B-Testschirme ausprobieren oder ihre Landeeinteilung bei unterschiedlichen Windverhältnissen verbessern. Und dann waren da noch die ganz konkreten Meilensteine:
Die 15-Kilometer-Strecke für den B-Schein, der 100. Flug seit dem A-Schein im vergangenen Jahr, die 50. Flugstunde – gesammelt während der bereits dritten Flugwoche in diesem Jahr – und schließlich auch noch eine erfolgreich absolvierte theoretische B-Schein-Prüfung.
Ganz schön viel für eine einzige Woche! Und das Beste daran: Überall konnten wir am Ende einen Haken dranmachen!


Ein bisschen Theorie muss sein – und Bobby-Car-Fahren hilft offenbar auch
Das Wetter schenkte uns allerdings nicht jeden Tag perfekte Flugbedingungen. Einen Tag mussten wir deshalb auf das Fliegen verzichten. Dafür stellte uns Patrizia vom Sasso d’Oro freundlicherweise einen Raum zur Verfügung, und wir konnten uns in Ruhe einigen theoretischen Grundlagen widmen.
Auf dem Programm standen Videoanalysen unserer Starts vom ersten Flugtag, die Streckenflugplanung und die Besonderheiten der Lufträume rund um Meduno. Außerdem kam wieder mein Landeeinteilungs-Peil-Spiel zum Einsatz. Gemeinsam versuchten wir, unterschiedliche Situationen bei der Landevolte einzuschätzen und die richtige Einteilung zu finden.
Ein weiteres Thema war das zu frühe Hineinsetzen ins Gurtzeug nach dem Abheben. Denn wer sich schon beim Start gemütlich in sein Gurtzeug setzt, bevor er wirklich frei vom Boden ist, beraubt sich einer ziemlich wichtigen Fähigkeit: dem Laufen!
Wie das dann aussieht, hat Nobby wunderbar auf den Punkt gebracht: Ein Erwachsener, der versucht, auf einem Bobby-Car möglichst schnell zu laufen. Das Bild dazu hat er sich ausgedacht und anschließend mithilfe der KI erstellen lassen. Treffender kann man das Problem kaum darstellen!
Und weil so viel Theorie bekanntlich hungrig macht, gab es anschließend die passende Belohnung: ein Eis in der Bar Vanin. Für mich übrigens nicht nur die beste Eisdiele von Meduno, sondern eine der besten überhaupt!
Und dann war da noch dieser Samstagvormittag …
Jedes Mal, wenn ich in Meduno bin, genieße ich bei meinen eigenen Flügen besonders die Ruhe und den Blick über diese unglaublich weite, offene Landschaft. Am Startplatz kann es zeitweise durchaus recht voll werden. Aber sobald man in der Luft ist, verteilen sich die vielen Schirme entlang des weitläufigen Hangs und im breiten Aufwindband meist erstaunlich gut.
Manchmal gehört einem der Berg aber auch fast ganz allein. So wie an diesem Samstagvormittag.
Claus zeigte eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man die kleinen morgendlichen Aufwindbereiche erkennt und geschickt nutzt. Nobby folgte ihm und die beiden konnten sich nach und nach immer weiter hocharbeiten.
Während die anderen Freiflieger nicht mitkamen, drehten die beiden ganz allein über dem Hang auf. Es war einfach schön, dabei zuzuschauen!
Und wieder passte unser Motto dieser Woche:
Open your Eyes!
Augen auf, genau hinschauen, beobachten, verstehen – und dann die Möglichkeiten nutzen, die uns die Luft gerade bietet. Manchmal braucht es dafür gar nicht viel. Nur ein bisschen Aufmerksamkeit, Erfahrung und die Bereitschaft, genauer hinzusehen.
Und ganz nebenbei …
… sind in dieser Woche auch wieder jede Menge wunderschöne Fotos und Videos entstanden. Besonders Chrissi hat mit ihren Aufnahmen dazu beigetragen, dass wir viele dieser Momente noch einmal erleben können. Dafür ein herzliches Dankeschön – und natürlich auch für die Freigabe, die Bilder bei Papillon verwenden zu dürfen!
Eine besondere Woche mit einer tollen Gruppe, vielen persönlichen Erfolgserlebnissen und jeder Menge gemeinsamer Flugzeit liegt hinter uns. Und ich nehme aus dieser Herbstwoche noch etwas mit: Es lohnt sich immer, die Augen offen zu halten. Nicht nur beim Fliegen.
Oder, um es mit Claus zu sagen: „Moch de Glozzn off!“ 😃





