Vergangenen Samstag, den 15. August, gab es in der Rhön einen außergewöhnlichen Flugtag, wie man ihn selbst in den Jahrzehnten seit 1990 noch nicht erlebt hat.
Am letzten Tag einer außergewöhnlich langen, sehr heißen und trockenen Wetterlage mit gebietsweisen Temperaturrekorden kündigten sich von Westen her für den Abend eine Labilisierung sowie für die Nachtstunden und den Folgetag die ersten Niederschläge an.
Die Wettermodelle errechneten für den Mittag Thermik bis weit über 3.500 Meter bei einsetzender Quellwolkenentwicklung. Und tatsächlich: Für die Flugschüler gab es in den Frühstunden zunächst Höhenflüge am Süd- und Westhang der Wasserkuppe. Um 11:00 Uhr erfolgte der letzte Schülerstart – dann setzte die Thermik ein.
Kurz danach startete ich und hatte auf Anhieb etwa 1.000 Meter Startüberhöhung. Noch war es vollkommen blau und unklar, wie hoch es wirklich gehen würde. Gegen 12:00 Uhr entwickelte sich über dem Truppenübungsgelände Wildflecken die erste Quellwolke in ca. 3.500 Metern Höhe.




Danach ging es über Stunden phänomenal gut. Permanent flogen sehr viele Piloten extrem hoch über der Wasserkuppe. Die Thermik reichte so hoch, dass sie deutlich über die maximal erlaubte Höhe von Flight Level 100 hinausging. In der Geschichte des Thermik- und Streckenfliegens mit Gleitschirmen wurde im Mittelgebirgsraum eine Thermikhöhe von über 3.000 Metern bisher nur äußerst selten erreicht. Meteorologisch ging es am Nachmittag sogar bis auf 4.000 Meter hinauf.
Die meteorologische Lage
Die alternde Luftmasse war bodennah stark aufgeheizt. Aufgrund einer sich von Westen nähernden Front nahm der Hochdruckeinfluss ab – und damit auch die wetterwirksame Absinkinversion, die am Vortag noch bei etwa 2.500 Metern gelegen hatte. Die heiße und trockene Luft wurde nach der Rekorddürre der vergangenen Wochen selbst bodennah kaum noch durch die Vegetation angefeuchtet. Dadurch wurde das sogenannte Cumulus-Kondensationsniveau erst sehr hoch erreicht.
Dies ist möglich, wenn sich die wetterwirksame Sperrschicht des Hochs abschwächt oder auflöst – genau das passiert, wenn Tiefausläufer von Westen gegen ein Hochdruckgebiet anlaufen. Im Tagesverlauf entstanden Quellwolken, die zum Nachmittag und Abend vertikal immer weiter anwuchsen.
An solchen Tagen können vereinzelt Schauer oder in extremen Fällen sogar Gewitter entstehen. Ab dem Nachmittag labilisierte es zusehends: Die Quellwolkenbasis stieg auf etwa 4.000 Meter, während die Wolken selbst bis auf 5.000 Meter reichten. Entsprechend stark und großflächig entwickelte sich die Thermik. Unser Rekordpilot Markus Börner, der von der Wasserkuppe bis in den Bayerischen Wald flog, berichtete von mehr als 10 m/s Steigen. Ich selbst hatte immerhin 4,5 m/s.
Streckenflug-Highlights
Hansi Fürst, Rekordhalter des weitesten Streckenfluges (300 km vom Kreuzberg bis nach Frankreich), war ebenfalls am Start. Sein Plan: ein 120 km großes FAI-Dreieck. Ihm gelang dieser sensationelle Flug, der gemessen an den Bedingungen des Tages fast noch zu kurz war. Um 17:30 Uhr kehrte er in 2.500 Metern Höhe über der Wasserkuppe von seinem Streckenflug zurück. Er hätte locker noch weitere 30 oder 40 Kilometer anhängen können. Da die Wasserkuppe jedoch auf einem der Schenkel lag, war eine Erweiterung des Dreiecks am Abend nicht mehr möglich.
Wir gratulieren Hansi, der mittlerweile auch Mitglied im Rhöner Drachen- und Gleitschirmfliegerverein ist! Die Streckenflug-Mannschaft des Vereins scheint damit zum Saisonende ihren Meistertitel erfolgreich zu verteidigen.
Auch Winni Reith, Drachenflieger seit den 1980er-Jahren und heute leidenschaftlicher Gleitschirmpilot, erzählte, dass er seit 43 Jahren keinen vergleichbar phänomenalen Flugtag erlebt habe.
Anspruchsvolle Bedingungen
Gleichzeitig war es kaum möglich, an der Thermik vorbeizusegeln. Der Einstieg von ganz unten erwies sich als gar nicht so einfach und war zudem recht turbulent. Einige durchaus sehr erfahrene Piloten schätzten die Bedingungen nach ein oder zwei Versuchen als zu bockig ein und verzichteten auf den Flug. An dieser Stelle möchten wir ihnen für ihre Vorbildfunktion gegenüber Fluganfängern danken. Tatsächlich war der Tag trotz der enormen Basishöhe extrem anspruchsvoll.
Am Abend öffnete sich kein Soaring-Fenster mehr. Bis etwa 19:00 Uhr gab es starke Thermik, danach frischte der Wind mit dem Herannahen der Front spürbar auf.






