Olsberg/Eifel, 12.7.26 – Britta Müller, Papillon-Fluglehrerin und Standort-Leiterin im Sauerland, hat einen neuen Damen-Streckenflugrekord für das Fluggebiet Stüppel aufgestellt. Mit einer Flugdistanz von rund 160 Kilometern gelang ihr ein außergewöhnlicher Flug aus dem Sauerland über den Rhein bei Koblenz und weiter bis in die Eifel.
Ausschlaggebend waren die hervorragenden Wetterbedingungen, die sich im Verlauf des Tages immer weiter entwickelten und die ihren Flachland-Streckenflug erst ermöglichten.

Nach dem Start vom Startplatz Stüppel kurz nach 13 Uhr führte die Strecke zunächst in Richtung Süden über das Siegerland. Dort stellten die anspruchsvolle Topographie sowie die Kontrollzonen der Flughäfen Köln/Bonn und Siegerland besondere Herausforderungen dar. „Durch die modernen Varios ist es mittlerweile einfacher geworden, durch ein solches „Nadelöhr“ zu navigieren“, berichtet Britta.
Gleich zweimal über den Rhein…
Nachdem dieser Abschnitt gemeistert war, konnte sie den Wolkenstraßen folgen, die ideale Bedingungen für weite Flüge boten.
Bei Koblenz überquerte sie den Rhein gleich zweimal – ein persönliches Highlight des Fluges – und das Erreichen eines lang gehegten Zieles. Nach einer Flugzeit von 6,5 Stunden landete sie schließlich im rund 160 Kilometer entfernten Hohenleimbach in der Eifel, kurz vor dem Nürburgring.
XC mit EN-B
Bei diesem persönlichen Flachland-Rekordflug war Britta mit ihrem EN-B-Schirm unterwegs:
„Für mich ist dieser Gleitschirm den idealen Kompromiss aus Leistung, Komfort und passiver Sicherheit. Gerade in der anfangs anspruchsvollen Thermik war mein Schirm ein zuverlässiger Begleiter, um die teils kleinen und hackigen Aufwinde optimal auszunutzen“.
Britta Müller, Papillon Sauerland
Besonders im Flachland sind die Thermiken unregelmäßiger und deutlich schwieriger zu finden als in den Bergen. Erfolgreiche Streckenflüge setzen deshalb neben fliegerischem Können vor allem ein ausgeprägtes Verständnis für Gelände, Wetterentwicklung und Thermik voraus – sowie viel Erfahrung.
Und manchmal braucht es auch etwas Geduld – und einen rettenden Aufwind zur richtigen Zeit am richtigen Ort:
„Dieser Flug war für mich etwas ganz Besonderes, weil ich eine solche Distanz in unserer Gegend noch nicht geflogen bin. Daher hatte ich mir immer wieder realistische Zwischenziele gesetzt, die ich erreichen wollte, damit ich nicht gefrustet bin, wenn ich mein Hauptziel, den Rhein zu überqueren hätte nicht erreichen können. Der Rest war wie ein Geschenk und ich habe es einfach nur noch genießen können.
Allerdings wäre mein Flug schon nach nur einer Stunde fast zu Ende gewesen: Ich hatte an einer Stelle auf Aufwinde spekuliert, die aber leider nicht dort waren, wo ich sie vermutete. Mit sehr wenig Höhe habe ich mich weiter getastet, um dann an einer ganz anderen Stelle und ziemlich tief den ersehnten Aufwind zu bekommen, der mich dann wieder bis an die Wolkenbasis gebracht hat. Bei einem solchen so genannten „Low-Safe“ muss man manchmal einfach etwas Geduld haben.
Wieder an der Basis angekommen, konnte ich die Wolkenstraßen fast im gesamten weiteren Flug abfliegen, ohne noch einmal richtig tief zu kommen. Was für ein Privileg, dachte ich mir, so etwas erleben zu dürfen – und das ohne Hochleister, mit denen andere Piloten an diesem Tag noch um einiges weiter geflogen waren als ich.“
Nach der Landung wartete allerdings noch ein kleines Abenteuer auf Britta: Smartphone-Akku und Energiereserven waren gleichermaßen erschöpft. Glücklicherweise traf sie auf eine hilfsbereite Familie, die ihr spontan eine Übernachtungsmöglichkeit anbot, sie mit Essen und Landebier versorgte und sie am nächsten Morgen zum Bahnhof nach Koblenz brachte.
Spontane Hilfsbereitschaft nach der Landung
Für Britta ist genau das ein Teil der Faszination des Gleitschirmfliegens:
„Mich begeistert nach wie vor das Spiel mit der Natur. Kein Flug ist wie der andere. Und unterwegs begegnet man immer wieder offenen und hilfsbereiten Menschen – genau solche Begegnungen machen unseren Sport für mich so besonders.“
Als Vorbereitung für diesen Flug hatte Britta im Vorfeld schon alles durchgespielt und abgeschätzt, welche Lufträume bei der vorherrschenden Windrichtung auf sie zukommen würden. Natürlich klappt es nicht immer so, wie man/frau es plant, daher ist bei aller Planung trotzdem immer auch noch eine gewissen Flexibilität erforderlich, zum Beispiel, wenn sich Wind und Wetter im Tagesverlauf doch anders entwickeln als prognostiziert.
Streckenflug-Vorbereitung
Auf die Frage, wie sie sich auf längere Streckenflüge vorbereitet, verrät Britta:
„Für längere Streckenflüge bereiten ich mich natürlich vor. Ich habe meine Wasservorräte und einen Müsliriegel dabei. Ich ziehe mich richtig warm an, auch wenn es unten 30 Grand sind. Lieber schwitzen als oben frieren. Da es für uns Mädels nicht so praktische Lösungen wie das Urinalkondom für die Herren gibt, trinke ich regelmäßig, aber eher kleinere Mengen, sodass ich mindestens 6-7 Stunden aushalte. Ich verschwende auch keinen Gedanken daran, wie ich wieder nach Hause komme, da es einen eher ausbremsen kann, weite Strecken zu fliegen. Natürlich kann ich durch mein geringes Startgewicht (70 kg) nie so schnell Fliegen wie Piloten mit einem höheren Startgewicht. Ich vergleiche mich aber auch nicht unbedingt mit den schwereren Piloten, die mit höher klassifizierten „Rennsemmeln“ unterwegs sind. Ich fliege nur für mich und war wirklich glückselig, so einen schönen Flug gemeistert zu haben.“
Britta, wir gratulieren dir zu diesem tollen Flug und freuen uns auf deine nächsten Flugabenteuer-Berichte!
Standortleiterin Papillon Sauerland, Fluglehrerin, Tochter des Flugpioniers Elmar Müller
▸Bio
Neben meinem Bürojob war ich oft mit unserer Flugschule auf Reisen und hatte so auch immer mehr mit der Schulung zu tun. Als natürliche Konsequenz machte ich nach ein paar Jahren meine Ausbildung zur Fluglehrerin und arbeitete nebenberuflich bei meiner Familie mit. Auch das Mutter-werden 2007 konnte mich fliegerisch nicht aufhalten. Wo ein Wille, da ein Weg, sage ich immer 🙂
2012 ging mein Vater „in Rente“ und Papillon verlagerte seinen Sauerland-Standort nach Elpe. In dieser Zeit flog ich so viel, wie es für eine Mutter mit Büro-Teilzeitjob möglich war, bis mich Andreas „Schubi“ Schubert 2016 erst als Fluglehrerin und später auch als Standortleiterin in sein tolles Team holte. Auch wenn die Vorstellung, den Standort in Elpe als alleinerziehende Mutter hauptberuflich als Fluglehrerin zu betreuen am Anfang noch ziemlich gewöhnungsbedürftig war, kann ich mir mittlerweile für mich keinen schöneren Beruf mehr vorstellen, als Flugschüler in dem Fluggebiet auszubilden, in dem ich quasi aufgewachsen bin.
– Britta Müller



