Meine Erzählungen vom 1. Flugpraxistraining hatte ich vergangenen Mittwoch geschrieben. Am Ende hatte ich vermutet, dass wir uns am Donnerstagabend zum Erscheinungszeitpunkt der Papillon-Fliegermail gerade in der sanften Magic-Meduno-Luft mit allen Teilnehmenden bewegen – und so war es auch!
Magic Meduno – ja, was ist das?
Vom Gefühl her:
Man startet am (späten!) Abend bei Starkwind in eine samtweiche Luft, welche den Gleitschirm ohne Gewackel und Gezappel in eine beschauliche Höhe trägt und sich – wie am letzten Donnerstag – fast zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang und dem sanften Abschalten des großflächigen Aufwindes mit bunten Schirmen und viel Platz von einer Seite der Bergflanke zur anderen, fast fünf Kilometer entfernten Bergflanke ruhig treiben lässt und wieder an der gleichen Bergflanke zurück in Richtung des Sonnenuntergangs fliegt. Und das so oft, bis es irgendwann beim letzten Sonnenlicht sanft Zentimeter für Zentimeter abwärts bis zum Hauptlandeplatz geht.
Vom Blick der Meteorologie her:
Die riesige Fläche vor unserem Flugberg Monte Valinis (und seinen Nebenerhebungen) bis südlich zur Adria wird den ganzen Tag von der Sonneneinstrahlung erhitzt. Ebenfalls die Südflanken der dahinterliegenden Alpen. Die dort aufsteigenden Luftmassen ziehen die sehr warme Luft den ganzen Tag in das regelmäßige „Alpen-Höhentief“. Selbst am Abend behält diese riesige Luftmasse – auch aufgrund ihrer Massenträgheit – die Richtung von Süden nach Norden bei und schert sich nicht um die eventuelle Nordströmung der höheren Luftschichten. Diese Luftmasse ist dann auch noch so nett, dass sie dabei laminar wird: Die Tagesturbulenzen lassen deutlich nach und der Luftstrom ist geglättet. Einzig die mittelhohe gleichmäßige Windgeschwindigkeit liegt über 15–20 km/h – und erfordert sichere, dem Schirm zugewandte Starttechniken, welche die Flugpraxis-Teilnehmenden hier trainieren und anwenden. Der Erfolg des Trainings ist Genuss pur!
Zurück zum Genuss:
Genau der letzte Donnerstag war solch ein Magic-Tag! Ich war zusammen mit Björn am Startplatz, und nachdem der Letzte von allen Teilnehmenden und Björn mit dem Tandem in der Luft war, konnte auch ich mich in diese Luft bewegen. Es ist immer wieder ein wohltuender Moment am Startplatz, wenn man die eigene Gruppe vollständig in der Luft sieht und diese einfach „abhängen“. Ich persönlich verschnaufe meist ein paar Minuten, schaue mir das gemächliche „Obenbleiben“ der anderen an, blicke in die Ebene vor mir und den herannahenden Sonnenuntergang, bevor ich mich dann meist als allerletzter Pilot mit meinem Schirm abhebe und mich einreihe.
Alles ist ruhig, überall im Himmel alle unsere Schirme in ruhiger Luft. Ich arbeite mich ruhig Meter für Meter nach oben, weite meinen Weg in Richtung Slowenien an die nächste Erhebung aus, wo ein paar Schirme richtig gut Höhe haben. Auch der Funk ist ruhig. Gerade am letzten Donnerstag dann doch ein Funkspruch:
„Paul, bist Du das …?“
Prima, einer aus unserer Gruppe (Torsten) hat mich entdeckt. Dann setzt er mit einem leichten Grinsen im Tonfall nach – mit dem Ende seines Satzes: „… unter mir?“ ……
Ich muss herzhaft lachen – und obwohl mein Ehrgeiz nun geweckt ist, schaffe ich es nicht mehr, die 50 Meter Höhendifferenz zwischen uns beiden zu verringern. Es ist einfach toll, dass die Teilnehmenden solche Erfolge haben können – dafür darf mein Ego leiden.
Eine knappe Stunde später landen wir beide fast gemeinsam als die Letzten am Landeplatz mit seiner Bar und gut gefüllten Aperol-Beständen. Die anderen sind kurz vor uns gelandet, das Grinsen aus Freude über so einen langen Flug geht keinem mehr aus dem Gesicht: Einige hatten vielleicht bisher bei allen Flügen in der Ausbildung mal einen verlängerten Flug – und auf einmal sind es mehr als 90 bis knapp 120 Minuten Flugzeit. Einfach so.
Der Aperol fließt – auch weil Achim am Vormittag in ruhiger Luft seine praktische Prüfung zum A-Schein geschafft hat. Alex und Floh haben die B-Schein-Theorie am Vorabend vor dem Abendessen mit fast 100 Prozent „erledigt“, also geht noch eine zweite Runde. Wie gut, dass Patrizia, Paolo, Davide und Greta vom Sasso d’Oro soooo viel Geduld mit uns haben und der fröhlich lautstark zurückkehrenden Gruppe selbst um 22:00 Uhr noch das Abendessen servieren.
Die 1. Woche war noch nicht am Ende – bis Samstag gab es noch ein zweites Mal „Magic“, zwei Tandemprüfungen meiner Fluglehrerkolleg*innen Björn und Lara waren so richtig erfolgreich, und vier Teilnehmende haben die 15-km-B-Scheinstrecke geschafft, Mathias sogar in der Magic-Meduno-Luft. Auch einfach so.
Der Wechseltag kommt schneller als gedacht – nach bis zu 14 Flügen in dieser Woche sind alle ausreichend erschöpft, aber es geht fröhlich nach Hause – außer Torsten, er hatte zwei Wochen gebucht. Na prima. Das wird lustig. Wir werden sehen, wie der kleine Wettstreit zwischen uns weitergeht. 😊
Es wird auch am Begrüßungsabend der 2. Flugpraxiswoche FMF22.26 gleich lustig und interessant. Lara, meine Fluglehrerkollegin in dieser zweiten Woche, setzt ihre Management-Trainings-Erfahrung spielerisch in die Begrüßungsrunde ein. Ganz anders als eine reine Excel-Listen-„Wie-viele-Flüge-und-welche-Schirmfarbe-hast-du“-Abfrage. So miteinander bekannt geworden, gehen wir gelöst zum gemeinsamen Abendessen – die Gespräche finden nur deswegen ein Ende, weil für das Training neben dem guten Wetter gleich auch ein früher Trainingsbeginn festgelegt ist: Wir sind ja keine Flugreisegruppe, sondern eine Trainingsgruppe!






Nach einer ausführlichen Landeplatzeinweisung und einer ebenso intensiven Startplatzeinweisung erfolgen nach den ersten „Wow“-Eindrücken die Eingewöhnungsflüge. Schwerpunkt liegt erst einmal auf dem Start, dem Orientieren, dem Wieder-Reinkommen und der Landung.
Briefing im Anschluss, lange Mittagspause und um 16:00 Uhr Einweisung in die Starkwindstarts – das ist die Vorbereitung für das zu erwartende Magic Meduno und die dazugehörige Starkwind-Starttechnik! Oben am Startplatz können wir das im realen Wind und in einer realen Situation trainieren: „Wie halte ich den Schirm selbst bei so einem starken Wind auf dem Boden?“ ist die erste Übung, bevor es zu den ersten Starkwindstarts geht. Bei einigen zwar mit etwas Herzklopfen und Respekt. Aber die Ersten sind bereit. Es kann losgehen. Und Meduno hält, was Meduno verspricht. Alle mit der neuen Sicherungstechnik und Rückwärtsstarttechnik in der Luft – und auch ich hinterher.
Okay, wo ist Torsten?
Ich erwische ihn wieder im gleichen Aufwindbereich wie beim letzten Magic-Meduno-Abend. Diesmal klappt es für mich besser, aber am Ende gewinnt er wieder – und kommt nach mir zum Landeplatz. Dort stehen die „Neuen“ – und sind erstaunt, baff, beeindruckt über dieses lange, ruhige Dahingleiten. Das Grinsen diesmal schon am ersten Flugtag!
Der Dienstag wieder mit dem gleichen Wetterbild: rechtzeitig rauf, morgens Trainingsflug „Wie-kreise-ich-wirklich-richtig-gut-für-die-Thermik-und-warum-klappt-das-dann-auch“, auch einige „Wie-komme-ich-aus-strubbeliger-Thermik-wieder-raus“-Manöver und ein paar Landeoptimierungen. Sieht wenig aus – aber die wichtigsten Grundlagen sitzen nun. Pause, Pool und schon wieder Briefing, bevor wir zum zweiten Magic-Meduno-Abend hochfahren.
Routine macht sich beim strukturierten Vorbereiten und Einhängen am Aufbau breit, und das Auslegen des Schirms mit Wind und der A-C-Technik klappt immer besser. Diesmal sind wir recht schnell am Start.




Mir wird das Vertrauen geschenkt, mit Johann, einem der Kinder von Anne und Christian, einen Abend-Tandemflug zu machen – und wir beide haben mächtig Spaß in der ruhigen Luft. Torsten ist mir in diesem Moment egal. Johann ist ein cooler Typ und ein sauguter Beobachter – es macht ihm richtig viel Spaß, und wir tasten uns sogar zeitweise gemeinsam mit seinem Vater Christian an den Prallflächen unserer Bergkette entlang.
Während Johann steuert, leite ich einige Teilnehmende über Funk an, mache Fotos und telefoniere mit Johanns Mutter: Sie und die beiden Geschwister hatten oben den Start beobachtet und sind auf dem Weg nach unten – so lange bleiben wir auf jeden Fall in der Luft. Eine Stunde beträgt dann unsere Flugzeit, als wir unten empfangen werden. Cool. Strahlegesichter, auch bei allen anderen aus unserer Gruppe. Ach ja – zwei Teilnehmende haben ihren Streckenflug so ganz nebenbei geschafft!
Diese ersten zwei Tage haben schon so viele neue Erlebnisse und Erkenntnisse und unfassbar viel Airtime gebracht – ein Ausruhen könnte guttun. Das Wetter am Mittwoch richtet sich nach uns und gestaltet den Vormittag für die Umsetzung unseres Thermiktrainings fliegbar und den Nachmittag ausruhbar. Durchatmen.
Mittwochabend, vor dem endlich mal früheren Abendessen, legen wir noch eine Briefing-Einheit nach – und diesmal sogar spielerisch mit dem Peilungsspiel, welches ich beim letzten Pilotentag im Dezember schon einmal vorgestellt habe. Die Aufgabenstellungen werden im Wettstreit mit unterschiedlichen Lösungsstrategien entwickelt – und dabei spielerisch und „haptisch“ mit vielen Tipps zum Peilen aufgenommen.
Jetzt ist schon Donnerstag, gleich gibt es Frühstück, einen frühen Trainingsstart und dann wahrscheinlich wieder am Abend Magic Meduno!
Eines ist sicher:
Heute werde ich höher als Torsten sein. Nachdem er nun seit über zehn Tagen jeden Tag geflogen ist, bleibt er zum Ausruhen am Boden.
Ich werde diese Chance nutzen und gewinnen! 😊
Euer Paul




