FMF27.26: Meduno in der Omega-Hochdrucklage

Oder: Wenn man sich die Eisheiligen wenigstens für ein paar Stunden zurückwünscht…

Als ich in diesem Jahr begonnen habe, die Meduno-Flugpraxiswochen in einem Blog zu begleiten, waren wir gerade den Eisheiligen mit ihren unangenehm kalten Temperaturen entkommen.

Jetzt, zum Beginn der dritten Flugpraxiswoche FMF27.26, hat Europa das komplette Kontrastprogramm erwischt: Eine stabile Omega-Hochdrucklage sorgt in weiten Teilen Europas für Temperaturen bis an die 40-Grad-Marke und neue Hitzerekorde. Verantwortlich dafür war:

Hoch Hartmut

Screenshot Regen-Alarm-App
Screenshot Regen-Alarm-App

Ähnlich wie bei den Namen der Eisheiligen werde ich mir diesen Namen merken. Und wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich Hartmut erst einmal zum Praktikum zu den Eisheiligen schicken – ein bisschen Demut würde ihm sicher guttun …

Und wieder bin ich in Meduno – dabei bin ich doch erst vor drei Wochen nach Hause gefahren. Es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen. Das Sasso d’Oro mit der herzlichen Gastfreundschaft von Patrizia, Paolo, Greta und Davide, der Pool an der Unterkunft, der obligatorische Aperol an der Landeplatz-Bar – alles wie immer. Nur die Temperaturen hatten durch Hartmut noch einmal ordentlich einen draufgelegt.

Auch diesmal begleitet mich mein Fluglehrer-Kollege Björn. Ich freue mich immer auf diese gemeinsame Woche mit ihm und neuen Vokabeln und Terminologien aus seinem Polizeialltag: „Ruhe bewahren“ oder „Kräfte sammeln“ hilft oft auch mir sehr am Startplatz.  Seine norddeutsch-knappe Art ergänzt sich erfahrungsgemäß hervorragend mit meiner etwas ausführlicheren Art der Flugbesprechungen.

Ein Teil der Gruppe war auch diesmal schon vor dem offiziellen Kursbeginn da. Da die Wetterprognose für Sonntagvormittag hervorragend aussah, organisierte ich kurzerhand am Vorabend noch ein Shuttle. So kamen wir bereits mit einigen Pilotinnen und Piloten in den Genuss eines wunderbaren ersten Flugvormittags.

Am Sonntagabend traf dann die komplette Gruppe zum ersten Briefing im Sasso d’Oro ein. Viele bekannte Gesichter und zahlreiche Stammgäste waren wieder dabei, aber auch einige neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer – manche wurden nach eigener Aussage sogar „mitgeschleppt“. Genau diese Mischung macht für mich den besonderen Reiz der Meduno-Wochen aus.

Unterschiedliche Erwartungen

Denn auch die Erwartungen sind jedes Mal völlig unterschiedlich: Die einen möchten ihren neuen Schirm kennenlernen, andere an ihrer Start- oder Landetechnik arbeiten, wieder andere wollen möglichst viele 30-Minuten-Flüge für den B-Schein sammeln.

Mit der Umsetzung dieser Ziele begannen wir direkt am Montagmorgen. Möglichst früh ging es auf den Monte Valinis. Allein die fünf Grad niedrigere Temperatur am Startplatz und ein leichter Wind machten die Hitze etwas erträglicher. Björn erklärte sich tapfer bereit, den heißeren Landeplatz zu betreuen, während ich die Gruppe oben am Startplatz begleitete.

Und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bereits am ersten Flugtag gelangen lange Flüge und sogar mehrere spontane Toplandungen. Patrick machte sogar gleich zwei lange Flüge für seine B-Schein-Sammlung. Stand heute hat er bereits vier der benötigten 30-Minuten Flüge zusammen – ein richtig guter Anfang.

Die extreme Wetterlage machte die tägliche Flugplanung allerdings deutlich anspruchsvoller. Die Prognosen sind wesentlich schwieriger einzuschätzen als sonst. Umso mehr hat uns erneut die Wetterseite sichtflug.app geholfen. Besonders die acht Aktualisierungen pro Tag ermöglichen sehr zuverlässige Kurzfristentscheidungen – gerade in einer so dynamischen Wetterlage ein echter Vorteil.

Wenn das Wetter einmal nicht zum Fliegen einlud, wechselten Björn und ich uns mit den Theorieeinheiten ab. Ich stellte wieder mein selbst entwickeltes Lande-Peil-Spiel vor, das einige vielleicht schon von den Papillon-Pilotentagen kennen. Anschließend erklärte Björn als erfahrener Starkwindstarter von der dänischen Nordseeküste verschiedene Starttechniken, die wir am Abend sogar direkt praktisch anwenden konnten.

Fare la spesa in italiano

Ein echtes Novum gab es am zweiten Abend: Statt ins Restaurant zu gehen, wurde gegrillt. Und natürlich wurde die komplette Gruppe eingespannt.

Schon beim Einkauf ging es los. Unser persönlicher Italienisch-Dolmetscher Manfred hatte Schwerstarbeit zu leisten:

„Manfred, frag bitte mal nach Kräuterbutter!“

„Manfred, wo verstecken die Italiener eigentlich ihre Grillanzünder? Frag bitte mal nach!“

Zurück auf dem Campingplatz zeigte sich dann, welche verborgenen Talente in der Gruppe schlummerten. Der eine entpuppte sich als Tomatenschneid-Profi, der nächste als Pilzputz-Spezialist. Andere wurden zu offiziellen Gemüsepäckchen-Managern befördert, während sich am Grill gleich mehrere Helden fanden, die ihre Aufgabe trotz mehrfacher Nachfrage partout nicht mehr abgeben wollten.

Und selbstverständlich durfte auch der Fleisch-Würz-Meister nicht fehlen. Hervorragend hierbei die Organisation vom Multitalent Rike – jeder bekam von ihr seine Aufgabe zugewiesen, ein Ausweichen war nicht möglich, alle Talente wurden von ihr zeitoptimiert zusammengeführt.

Teamwork makes the dream work.

Ein paar Stunden später saßen wir gemeinsam am Tisch und genossen ein hervorragendes Grillbuffet. Das wird ganz sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir mit einer der Flugpraxiswochen-Gruppen einen Grillabend veranstalten.

Der nächste Tag war dann schon wieder fast typisch für Meduno. Ein kleines Stück „Magic Meduno“ bekamen wir dann am Dienstagabend immerhin noch in einer Light-Version als Belohnung für die Theorie-Einheit vom Vormittag serviert. Heute am Mittwoch konnten wir den Vormittag wieder für Trainingseinheiten und lange Flüge mit Streckenflugansätzen nutzen!

Und schließlich hatten sogar die Eisheiligen heute Abend ein Einsehen. Praktikant Hartmut durfte sich mit seiner Front entschuldigen:

Diese Front beeinflusste heute entlang des gesamten Alpenraumes das Wettergeschehen und erreichte uns beim Abendessen. Zunächst brachte sie kräftigen Sturmwind, später endlich den langersehnten Regen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal so sehr auf ein ausgedehntes Gewitter freuen würde.

Nach mehreren Tagen mit Temperaturen jenseits der 35 Grad fühlte sich der Regen wie eine Erlösung an. Manchmal merkt man eben erst, wie angenehm 20 Grad sein können, wenn man vorher tagelang gegen solche Hitzköpfe wie Hartmut gekämpft hat.

Meduno-Flugpraxistraining
Paul Seren
Paul Seren
Dipl. Ing. Luft- und Raumfahrtechnik, Fluglehrer, Tandemfluglehrer, Eingangsprüfer für Fluglehrer und Tandempiloten, Mitglied im DHV Ausbildungs-Lehrteam und in der DHV- und ÖAeC-Prüfungskommission
Schon in meiner Kindheit hatte mich der Traum vom Fliegen gepackt und über all die vergangenen Jahrzehnte nicht losgelassen. Es hat meine Kindheit, meine Berufswahl, meine Lebensentscheidungen geprägt und mich zu dem gemacht, was ich heute bin: Bis in die tiefsten Wurzeln begeistert von allem, was fliegt: Ich bin Modellflieger seit 1974, Hängegleiterpilot seit 1979, Gleitschirmpilot seit 2003, Motorschirmpilot seit 2009 und Gleitschirm-Tandempilot seit 2012. Als Dipl. Ing. der Luft- und Raumfahrtechnik war ich beruflich als Systemanalytiker und Softwareentwickler, sowie Wissensmanager und Ausbildungkoordinator in einem Industriekonzern tätig.

Ich stecke heute noch tief in der Vielfalt der Modellfliegerei mit all ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Genauso bin ich fasziniert, wie wir Flugzeugbau-Ingenieure und Entwickler es geschafft haben, einem Stück sinnvoll genähtem Stoff mit ein paar Schnüren daran ein sichereres Fliegen beizubringen. Für mich besonders faszinierend: Ein Gleitschirm fliegt auch ohne Beeinflussung des darunter hängenden Piloten richtig gut – und zeigt damit, wie dieses besondere Fluggerät eines der wenigen Luftfahrtgeräte überhaupt ist, welches eigenstabil fliegen kann. Eine echte Meisterleistung des Prinzips „Mach es so einfach wie möglich“.

Es gibt mir auch die Gewissheit im gesetzteren und höheren Alter bei passenden Bedingungen sicher in die Luft und durch die Luft zu kommen. Dies möchte ich gerne noch lange als Fluglehrer vermitteln und dabei meine Begeisterung für das Fliegen weitergeben.
Paul Seren

2026

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