Beginn der Flugpraxistrainings in Meduno, oder: Der Widerstand von Meduno gegen die Eisheiligen

Seit Donnerstag letzter Woche bin ich hier in Meduno: Einerseits, um die nächsten Wochen vorzubereiten, und andererseits auch, um selber mal zum Fliegen zu kommen.

Björn ist von der Wasserkuppe schon einen Tag früher bei Schneefall losgefahren, ich konnte den Temperaturen mit Bodenfrostwarnungen aus Mittelfranken entfliehen: Die Eisheiligen hatten mit ihrer kältebringenden Arbeit begonnen!

Am Tauerntunnel…

wird klar, dass sie ihre kalten Finger mindestens bis hierher ausstrecken: leicht schneebedeckte Flächen und deutlich weiße Gipfel sind das Ergebnis. Es gibt Namen, auf die ich wirklich verzichten kann: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und selbst die Sophia (oder Sophie) werden in den Bauernregeln für die kalten Tage vom 11. Mai bis 15. Mai verantwortlich gemacht. Eine meteorologische Bauernregel merke ich mir nun: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist“ …

Die Flucht gelingt uns aber jeweils bei unserer Anreise: Kein Nachtfrost, dafür fast Dauerregen am Freitag. Also nix mit Fliegen für uns selber, aber dafür ein guter Vorbereitungs- und Ausruhtag für die nächste Woche …

Mittlerweile trudelten auch schon die ersten Teilnehmer ein – Wiederholungstäter der letzten Jahre beim Flugpraxistraining. Offenbar sind die Eisheiligen dadurch erschreckt und ziehen sich zurück, sodass wir am Samstag und Sonntag schon mal für uns das Gelände erkunden können. Wir haben am Samstag den Berg ganz für uns alleine und können auch den Sonntagvormittag in Ruhe mit ersten Flügen für uns nutzen.

Sonntagabend…

war dann der erste Treffpunkt dieser ersten Meduno-Flugpraxis-Woche FMF21.26: Wie toll ist es, ganz viele Teilnehmende der letzten Jahre wiederzusehen und auch Gesichter wiederzuerkennen, denen man vor ein paar Jahren bei einer Schulung oder gemeinsamen Reise begegnet ist! Die Welt ist klein – gerade hier scheinbar in Meduno. Die anwesenden Gruppen und Freiflieger kennen sich, mischen sich und freuen sich hier – es ist schon eine besondere Meduno-Mischung.

Unser erster Flugtag beginnt schon mal sehr freundlich für uns: Überall im Alpenraum wurschteln sich die Eisheiligen über Berggipfel und Täler hindurch, aber unsere von der Adria begünstigte Meduno-Bucht hält dem Ganzen wacker entgegen! Wir fliegen! Trotz eines schon recht anspruchsvollen Windes am Startplatz erleben alle Teilnehmenden ihren ersten (Wieder-)Eingewöhnungsflug – sogar länger als geplant!

Der Nachmittag mit seiner Restfeuchtigkeit gibt uns die notwendige Zeit für die Manöverbriefings des nächsten Tages. Dieser fängt auch so an, wie ich es mir für die Teilnehmenden in Meduno wünsche:

Ruhige Windsituation für den ersten Flug – mit ersten thermischen Ansätzen. Tamara zeigt gleich am Anfang als erste startende Teilnehmende, wohin es geht: nach oben – und das schon kurz vor 10:00 Uhr. Auch die anderen Teilnehmenden nutzen die ersten Thermikansätze oder fliegen die ersten besprochenen Manöver. Es klappt sogar für einige von uns eine zweite Vormittagsrunde, bevor der Startplatz einfach wie gewohnt zur Mittagszeit recht bockig wird.

Erstaunen über lange Flüge,

gut geglückte rückwärts zugewandte Starts und deutliche Startüberhöhungen! Die Thermik ist sogar so großflächig und gleichmäßig, dass Katrin erst durch meinen Funkspruch mitbekommt, dass sie bereits eine deutliche Startüberhöhung im Geradeausflug hat – und auf einmal ist Höhe kein Thema mehr.
Dann die typische Meduno-Nachmittagspause: Die Luft ist sehr aktiv, im Alpenraum bauen sich die Gewitter auf und bleiben auch dort. Die aufgewärmte Fläche von Meduno bis zur Adria arbeitet dagegen. Es funktioniert so gut, dass am Abend vielleicht ein bisschen „Magic Meduno“ möglich sein könnte.

Ich glaube daran: ein kurzes Briefing noch am Boden zum Rückwärtsaufziehvorgang am Campingplatz, Auffahrt zum Gipfel – und mit ein paar anderen Meduno-Experten sind wir genau beim richtigen Wind wieder am Startplatz! Die Abendsonne schaut noch mal vorbei und wir fühlen eine Andeutung des Magic-Meduno-Effekts. Der Abschluss ist wie gewohnt einen Aperol Spritz am Landeplatz wert.

Der Mittwoch…

verspricht wieder zumindest einen guten Beginn, welchen wir auch sofort nutzen. Die beiden letzten Tage war ich oben am Startplatz, heute macht das Björn – und ich beobachte die Szene von unten. Es gibt viel zu sehen – gerade die anwesende polnische Flugschule zeigt durch viele Protektor-Landungen, dass das alte Prinzip „Lernen durch Schmerz“ auch noch existent ist. Ich bin froh darüber, dass es bei uns zum großen Teil anders aussieht!

Der für den späten Nachmittag angekündigte Gewitterregen kommt diesmal auch wirklich pünktlich – die „Bucht“ ruht sich heute aus, um die nächsten Tage durchzustarten: Ab morgen bis in die nächste Woche schaut es einfach richtig gut aus.

…und was ist mit den Eisheiligen?

Wir haben sie vergrault – und das ist gut so. Wenn der Blog-Beitrag im Papillon-Newsletter erscheint, werden wir wahrscheinlich nach einem Meduno-Bilderbuch-Tag oben am Startplatz stehen und in den Magic-Meduno-Abendflug starten!

Wer kurzfristig noch Zeit hat und flexibel planen kann: Kommende Woche sind noch einige wenige Plätze bei bestem Wetter für das zweite Flugpraxistraining frei!

Euer Paul

Paul Seren
Paul Seren
Dipl. Ing. Luft- und Raumfahrtechnik, Fluglehrer, Tandemfluglehrer, Eingangsprüfer für Fluglehrer und Tandempiloten, Mitglied im DHV Ausbildungs-Lehrteam und in der DHV- und ÖAeC-Prüfungskommission
Schon in meiner Kindheit hatte mich der Traum vom Fliegen gepackt und über all die vergangenen Jahrzehnte nicht losgelassen. Es hat meine Kindheit, meine Berufswahl, meine Lebensentscheidungen geprägt und mich zu dem gemacht, was ich heute bin: Bis in die tiefsten Wurzeln begeistert von allem, was fliegt: Ich bin Modellflieger seit 1974, Hängegleiterpilot seit 1979, Gleitschirmpilot seit 2003, Motorschirmpilot seit 2009 und Gleitschirm-Tandempilot seit 2012. Als Dipl. Ing. der Luft- und Raumfahrtechnik war ich beruflich als Systemanalytiker und Softwareentwickler, sowie Wissensmanager und Ausbildungkoordinator in einem Industriekonzern tätig.

Ich stecke heute noch tief in der Vielfalt der Modellfliegerei mit all ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Genauso bin ich fasziniert, wie wir Flugzeugbau-Ingenieure und Entwickler es geschafft haben, einem Stück sinnvoll genähtem Stoff mit ein paar Schnüren daran ein sichereres Fliegen beizubringen. Für mich besonders faszinierend: Ein Gleitschirm fliegt auch ohne Beeinflussung des darunter hängenden Piloten richtig gut – und zeigt damit, wie dieses besondere Fluggerät eines der wenigen Luftfahrtgeräte überhaupt ist, welches eigenstabil fliegen kann. Eine echte Meisterleistung des Prinzips „Mach es so einfach wie möglich“.

Es gibt mir auch die Gewissheit im gesetzteren und höheren Alter bei passenden Bedingungen sicher in die Luft und durch die Luft zu kommen. Dies möchte ich gerne noch lange als Fluglehrer vermitteln und dabei meine Begeisterung für das Fliegen weitergeben.
Paul Seren

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