Wie zu jedem Beginn der Ausbildungs- und Flugsaison scanne ich meine ganzen installierten Wetter-Apps und Webseiten nach all den Veränderungen, die über die Wintersaison eingeflossen sind. Gerade für die B-Schein- und Streckenfluginteressierten möchte ich immer selbst auf dem neuesten Stand sein – und merke dann doch, was ich alles verpasst habe!
Zu meinen bisherigen Standard-Wetterhilfsmitteln gehören an erster Stelle der Blick in den Himmel und an zweiter Stelle unbedingt diese Helfer dazu.
Neben den Neuerungen in den bestehenden von mir genutzten Angeboten (Austro Control, Windy, Burnair, Meteo Parapente, Paraglidable, Meteoblue) entstehen jedes Jahr auch immer wieder neue Angebote.
Kurz vor meinen Flugpraxistrainings in Meduno hatte ich in einem Newsticker von Lucian Haas (https://lu-glidz.blogspot.com/) von der neuen Web-Applikation Sichtflug.app erfahren. Neugierig, wie ich bin, probiere ich so etwas natürlich gleich aus.
Es wird einem auch leicht gemacht: Nur eine Registrierung erforderlich? Ja! Werbefrei? Auch ja. Jetzt erst recht.
Das Angebot wirkt sehr intuitiv und überschaubar. Die Informationen befinden sich an den jeweils richtigen Stellen, und für Erläuterungen klickt man einfach auf das Symbol, das einem noch ungewohnt erscheint.
Das hat Potenzial – und es kann ja nicht schaden, dieses Angebot im Vergleich zu all meinen bisherigen „Indizien-Gebern“ für Meduno einmal ausführlich zu testen.
Sichtflug.app Screenshots





Dies habe ich in den letzten drei Wochen auch intensiv getan – und meine Begeisterung stieg von Tag zu Tag, manchmal sogar am gleichen Tag mehrfach. Genau wie die Aktualisierung der Prognosen, die alle drei (!) Stunden auf Basis der ICON-D2-Modelle und der Echtzeitvergleiche erfolgt.
Jeden Tag gab es mehr zu entdecken.
Zum Beispiel werden Hangneigungen von Startplätzen und deren Ausrichtung in den Modellrechnungen berücksichtigt. Oder der Wind am Landeplatz wird gleich mit einbezogen und in die Gesamteinschätzung für die Fliegbarkeit des Geländes (!) integriert.
Alle Anwendungshintergründe und Funktionen sind ausführlich beschrieben. Die Web-Anwendung ist schnell und läuft ohne Installation auf dem Smartphone oder PC – sozusagen direkt im Browser.
Ein Mangel in Meduno war schließlich der Grund, warum ich mit dem Entwickler Alexander (Alex) Müller Kontakt aufgenommen habe:
Die Windmessanlage in Meduno oben am Berg ist seit einer Gleitschirm-Berührung ausgefallen und liefert fehlerhafte Werte. Insbesondere ist die Windrichtung auf Dauer-Nord hängen geblieben.
Ich wollte wissen, wie Alex solche Fehlinformationen im Vergleich zu den Prognosen verarbeitet. Damit waren wir auch schon im Gespräch.
Die Fliegbarkeit wird hauptsächlich aus den Prognoserechnungen ermittelt, aber die Echtzeitwerte (in unserem Fall die Falschwerte) werden ebenfalls angezeigt. Damit kann man sich ein eigenes Bild von der Situation machen.
Kleine Anekdote:
Wetter wird am Berg gemacht. Und damit konnte man die Abweichung gut ignorieren.
Dass wir die letzten Wochen den Berg sehr oft für uns alleine hatten, lag wohl auch daran, dass viele Freiflieger direkt auf diese falschen Windmesswerte mit der falschen Windrichtung geschaut hatten und erstaunt waren, dass wir oben ideale Magic-Meduno-Verhältnisse vorfanden. Wir haben der Prognose von Sichtflug.app und dem eigenen Erfahrungs-Bauchgefühl mehr getraut.
Jedem, dem ich hier begegnet bin, habe ich mittlerweile Sichtflug.app empfohlen. Und da ich die Anwendung auch für andere Fluggebiete ausprobieren möchte, habe ich mit Alex Müller ein Interview geführt, welches einige sehr interessante Aspekte beleuchtet. Das Interview kannst du ab nächster Woche hier im Blog nachlesen.
Mein Fazit
Sichtflug.app ist derzeit meine beste Empfehlung für Gleitschirm-Wetterprognosen.
Euer Paul
Dipl. Ing. Luft- und Raumfahrtechnik, Fluglehrer, Tandemfluglehrer, Eingangsprüfer für Fluglehrer und Tandempiloten, Mitglied im DHV Ausbildungs-Lehrteam und in der DHV- und ÖAeC-Prüfungskommission
▸Bio
Ich stecke heute noch tief in der Vielfalt der Modellfliegerei mit all ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Genauso bin ich fasziniert, wie wir Flugzeugbau-Ingenieure und Entwickler es geschafft haben, einem Stück sinnvoll genähtem Stoff mit ein paar Schnüren daran ein sichereres Fliegen beizubringen. Für mich besonders faszinierend: Ein Gleitschirm fliegt auch ohne Beeinflussung des darunter hängenden Piloten richtig gut – und zeigt damit, wie dieses besondere Fluggerät eines der wenigen Luftfahrtgeräte überhaupt ist, welches eigenstabil fliegen kann. Eine echte Meisterleistung des Prinzips „Mach es so einfach wie möglich“.
Es gibt mir auch die Gewissheit im gesetzteren und höheren Alter bei passenden Bedingungen sicher in die Luft und durch die Luft zu kommen. Dies möchte ich gerne noch lange als Fluglehrer vermitteln und dabei meine Begeisterung für das Fliegen weitergeben.
– Paul Seren





