Unsere zweite Flugpraxiswoche ist nun zu Ende und eine unglaubliche, vom Wetter verwöhnte Woche liegt hinter uns!
Den letzten Blog-Beitrag hatte ich an dem Donnerstagmorgen erstellt, als wir uns mal wieder auf einen typischen Meduno-Tag vorbereiteten – mit Magic Meduno am Abend. Es wurde der dritte Zauber-Abend in dieser Woche, und ich habe den Höhen-Wettstreit mit Torsten gewonnen, da er wirklich zum Ausruhen am Boden geblieben ist.
Nachdem alle Teilnehmenden am Abend wieder in der Luft schwebten, habe ich mich mit Jakob für den Tandemflug vorbereitet. Mein persönliches Ziel war neben der „Höhen-Meisterschaft“, die Familienangehörigen von Christian in die Luft zu bekommen. Jakob ist 13, wird bald 14 – beste Voraussetzungen, um mit dem Gleitschirmfliegen anzufangen!
Lara hat in der Zeit die ersten Toplande-Trainings angesetzt und das sogar auf dem höheren Startplatz angeleitet. Genial – wieder eine neue Variante der Toplande-Trainingsmöglichkeiten hier in Meduno!
Am Landeplatz dann das mittlerweile gewohnte Schema: Freuen, Flugzeiten vergleichen, Aperol entsprechend einnehmen und ab zum Abendessen bei Patrizia, die mit ihrer Familie geduldig auf uns wartet.
Ich checke während des Essens das Wetter – die ernüchternde Erkenntnis: Auch Freitag wird wieder in gleicher Form fliegbar. Oh man, schon wieder fliegen.
Aber meine Freude ist groß:
Auch die Mutter von Jakob, Johann und Katharina hat sich am Donnerstagabend nach anfänglichem Zögern entschlossen, an diesem letzten Magic-Meduno-Abend am Freitag mit mir Tandem zu fliegen!
Nach den morgendlichen Trainings- und Thermikflügen und der langen Mittagspause ist dann unser letzter gemeinsamer Flugabend gekommen. Die Rückwärtsstarts bei starkem Wind haben inzwischen einen deutlich entspannteren Grad an Routine erreicht.
Lara unterstützt hier und da, während Anne und ich uns für den Start vorbereiten. Auch hier Routine: Anne hat ja nun oft genug zugeschaut und ihre Kinder haben sie umfassend eingewiesen.
Übrigens waren Anne und ihr Mann Christian vor 16 Jahren Teilnehmer bei einem der ersten Schaeffler-Gleitschirm-Firmenschnupperkurse auf der Wasserkuppe.
Souverrrrääner Starddd (Fräänggischer Gommendar von Anne), Höhe gewinnen, gemeinsam mit Christian an der Hangkante hin und her fliegen und dann auch mal ein Stück weiter weg. Anschließend wieder gemeinsam in den weichen Thermikanschlüssen nach oben bis zum Startplatz, ein tiefer Vorbeiflug und dann Fotos, Fotos, Fotos von unserer Gruppe: In der Luft, beim Start, beim Toplanden, beim was auch immer.
Ach ja: Übrigens meistens über Torsten!!!!!
Genial.
Nach ca. 1:15 Stunden gehen wir landen und schauen uns von unten – natürlich versorgt mit Aperol – das weitere Geschehen an. Stolze Kinder hatten die coole Mama schon unten erwartet. Der Kinder-Einpackservice für den Tandemschirm lief mittlerweile ohne weitere Einweisungen – nur dass diesmal die Mama anstelle von Katharina über den Schirm zum Luft-Rauslassen gerollert wurde!
Als die Letzten mit dem Ausschalten der Meduno-Luft landeten, gab es noch die allerletzte Challenge mit Lara: Wird sie beim Landen den Aperol von mir in die Hand nehmen können, ohne ihn auszuschütten? Ja, sie kann es!
Der Abend wurde mit den vielen Teilerfolgen wieder sehr gemütlich – und lang. Aber der schon wieder fliegbare Samstag für die letzte Runde am Vormittag stand noch an – mit einer neuen Herausforderung:
Am Samstag war das bekannte Radrennen Giro d’Italia mit seinem Streckenabschnitt durch Meduno geplant. Alles fein – wenn nicht dadurch die Zufahrt zum Startplatz und der Weg vom Landeplatz zum Campingplatz von 10:00 bis 14:00 Uhr, also in der besten Flugzeit, gesperrt gewesen wären.
Also klarer Flugauftrag: Morgens rechtzeitig rauf, Thermik abwarten, dann Thermikhöhe für den Abflug gewinnen und ab zum knapp fünf Kilometer entfernten UL-Landeplatz in der Nähe des Campingplatzes.

Challenge accepted – von sieben Teilnehmenden und mir.
Das Ergebnis: Vier schaffen es locker mit Auftanken in der Ebene. Die anderen vier (unter anderem auch ich) kommen nicht über die Hochspannungsleitung und landen sicherheitshalber zwei Kilometer vor der Unterkunft auf irgendwelchen weiträumigen Wiesen und Feldern und machen damit noch ein Fly and Hike daraus.
Ein schöner Abschluss des Kurses.
Auf mich wartet nur eine letzte Herausforderung: Mathias hatte seinen Liegegurtzeug-Motorschirm mitgebracht und ich hatte versprochen, mal gemeinsam mit ihm und meinem Motorschirm zu fliegen. Da ich aber zeitgleich meine Ehefrau Daniela und meinen Freund Jürgen am Startplatz betreuen wollte, musste eine Kombination her.
Die Lösung: Ich fliege mal in die andere Richtung – vom UL-Platz mit Motorkraft hoch zum Startplatz, mache dort eine Toplandung, helfe Daniela und Jürgen und fliege dann ohne Motorunterstützung wieder zurück.
Vorteil: Zeitgleich bin ich mit Mathias gemeinsam in der Luft und bei meiner Familie.
Die Idee – und damit die Rechnung – geht auf. Ich bin deutlich schneller als Davide mit dem Shuttle oben auf dem Berg: Anstelle von 25 Minuten bei italienischer Fahrweise lande ich gemütlich nach elf Minuten oben am Startplatz!
Auch der Fußstart mit dem schweren Ventilator am Rücken gelingt ohne Probleme. Ich kann sogar noch wunderbar in der Thermik vor dem Startplatz aufdrehen und nach der Landung an der Bar – bei einem Aperol – meine abgeschlossenen Flugwochen Revue passieren lassen:
So viele tolle Flüge, mit so vielen tollen Teilnehmenden, mit so vielen einzelnen Zielen, Herausforderungen und Erfolgen, mit so vielen Magic-Meduno-Abenden und mit so viel Aperol – einfach gut.









Etwas vergessen? Ach ja: Das Wetter und die Prognosen.
Das Wetter war uns wirklich wohlgesonnen und ich musste nur ein paar „Feintrimmungen“ durchführen. Was mir hier bei der Festlegung der fliegbaren Zeiten und Möglichkeiten richtig gut geholfen hat, war ein nagelneues Prognose-Werkzeug, das ich die letzten drei Wochen hier intensiv im Vergleich zu anderen bekannten Prognose-Werkzeugen eingesetzt habe.
Kurz zusammengefasst: Ich bin von der Web-Applikation Sichtflug.app von Alexander Müller richtig begeistert. So punktgenaue Vorhersagen habe ich bisher nirgends gefunden. In diesen Wochen haben wir beide sehr viel schriftlichen Kontakt miteinander gehabt und Alex hat einige Feinjustierungen für sein Werkzeug vorgenommen. Dabei habe ich festgestellt, welche vielfältigen, für uns Gleitschirmflieger wichtigen Parameter bei der Einschätzung der Fliegbarkeit eines Geländes in diese Seiten eingeflossen sind. Was erstaunlich ist: Das Werkzeug ist kostenfrei – und werbefrei! Wirklich!
Wer mehr darüber wissen will: In der Fliegermail kommende Woche findest du einen ausführlichen Bericht und in der Woche darauf noch mein Interview mit Alex zu diesem Prognose-Werkzeug.
Diese Woche habe ich noch Urlaub – und verweile weiter in Meduno. Aus gutem Grund! Während ich diesen Blog-Beitrag schreibe, ist es Dienstag, meine mittlerweile dritte Woche vor Ort. Ich mag dieses Flugparadies. Auch wenn es mal nicht geht: Morgen wird es heftig regnen und wir werden familiär mal kurz mit dem Zug nach Venedig fahren. Der Zug fährt direkt bis zur Hauptanlegestelle am Canale Grande – und das pünktlich und für ein paar läppische Euro.
In gut drei Wochen bin ich wieder hier – mit zwei weiteren Flugpraxiswochen Ende Juni und Anfang Juli. Und für alle, die doch noch Geschmack bekommen haben, schicken wir sogar noch eine Oktober-Woche hinterher!
Mag kommen, was mag – gerne auch wieder ein Radrennen.
Challenge accepted – again…
Euer Paul




