FMF28.26: Ende gut – Anfang gut

Oder: Der fließende Übergang zwischen zwei Omega-Hochs in Meduno

Als ich den letzten Blogbeitrag beendet hatte, hatten wir uns gerade mit einem lachenden und einem schwitzenden Auge vom Omega-Hoch Hartmut verabschiedet. Nach Tagen, in denen man schon beim Frühstück überlegte, ob man lieber fliegen oder schmelzen möchte, kam endlich die ersehnte Abkühlung.

Und wie so oft in Meduno hatte das Wetter wohl ein schlechtes Gewissen.

Traumhafte Flugtage mit langen Thermikflügen

Zur Entschuldigung schenkte es uns einige traumhafte Flugtage mit langen Thermikflügen und jeder Menge Airtime. Heiko machte am Donnerstag den Anfang und legte gleich einmal einen Flug von 2:45 Stunden mit reichlich Streckenkilometern vor. Man könnte meinen, das reicht erst einmal. Nicht für Heiko! Am nächsten Tag setzte er einfach noch einen drauf und blieb weit über drei Stunden in der Luft.

Patrick hatte sich dagegen ein ganz anderes Ziel gesetzt. Keine Rekorde, keine Streckenjagd – sondern möglichst viele Flüge über 30 Minuten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: 9 (von den 10 Flügen für den B-Schein) knackten diese Marke. Mission erfüllt!

Etwas spannender begann die Woche für Ingmar. Seine Flugausrüstung hatte offenbar andere Reisepläne und beschloss, lieber in Frankfurt Urlaub zu machen. Zum Glück half die Flugschule in Meduno unkompliziert mit einem Leihgurtzeug. Mit einem Testschirm (Alpha 8) von Papillon war dann die Ausrüstung wieder komplett.

So konnte auch Ingmar seine Woche bestens nutzen – und gleich noch eine neue Disziplin erfinden: Drive-and-Fly-and-Hike-Fly. Nach einer Zwischenlandung an der östlichen Flanke unserer Meduno-Ridge wurde kurzerhand ein kleiner Fußmarsch eingelegt, bevor der Flug fortgesetzt wurde.

Besonders bemerkenswert: Es war erst sein dritter Rückwärtsstart überhaupt. Genau das hatten wir in den Tagen zuvor intensiv oben am Startplatz und unten am UL-Landeplatz geübt. Solche Momente zeigen immer wieder, wie schnell sich Übung in Sicherheit und Selbstvertrauen verwandeln kann.

ABF, auch im Flugpraxistraining FMF28.26…

So ähnlich verlief die Woche eigentlich für alle Teilnehmer. Die persönlichen Ziele auf meiner Liste konnten wir fast vollständig abhaken. Und jeden Abend fand die berühmte ABF – Aperol-bedingte Feierlaune ihren würdigen Abschluss an der Bar am Landeplatz. Manche Flugleistungen wurden dabei im Laufe des Abends zwar gefühlt immer länger – aber das gehört schließlich ebenfalls zur Thermik.

Obwohl die Woche wettertechnisch etwas zäh begonnen hatte, zeigte Meduno wieder einmal seine größte Stärke: Selbst wenn die Prognosen nur durchschnittlich aussehen, überrascht uns dieses Fluggebiet erstaunlich oft mit richtig guten Flugbedingungen.

Überraschungsbesuch mit Folgen

Eine ganz andere Überraschung gab es am Freitag. Frank hatte Geburtstag – und seine Frau Simone stand plötzlich völlig unerwartet in Meduno. Die Freude war riesig und Franks Gesicht sprach Bände. Ein paar Tandemflüge mit Simone, etwas italienische Sonne und vielleicht auch ein kleines bisschen Überredungskunst sorgten schließlich dafür, dass beide ihren Aufenthalt sogar bis Sonntag verlängerten. Eine Entscheidung, über die sich alle freuten.

Denn am Samstag übernahm Geburtstagskind Frank gleich noch den Grill. Beim gemeinsamen Grillabend trafen die letzten Teilnehmer der einen Flugpraxiswoche auf die ersten Teilnehmer der nächsten. Besser kann ein fließender Übergang eigentlich kaum gelingen.

Und schon beginnt die nächste Woche…

Kaum verabschiedet, schon wieder begrüßt. Wieder viele bekannte Gesichter aus gemeinsamen Zeiten in Lüsen und Meduno – aber auch einige neue Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei waren. Die traditionelle Vorstellungsrunde, wie immer professionell von Lara moderiert, lockerte die Stimmung sofort auf. Innerhalb weniger Minuten war aus einer Gruppe einzelner Piloten wieder eine neue Interessensgemeinschaft geworden.

Der Montagmorgen begann entsprechend entspannt. Ankommen. Durchatmen. Noch einmal bewusst lange ausatmen. Genießen. Genau das war das Motto für den ersten Flug. Und Meduno hatte offenbar beschlossen, die neue Woche genauso freundlich zu beginnen wie die alte aufgehört hatte. Nicht nur der Vormittag war fliegbar – auch der Abend bescherte uns ruhige Bedingungen. Bereits am ersten Tag standen einige Flüge jenseits der 30-Minuten-Marke auf den Flugbüchern. Damit hatte kaum jemand gerechnet.

Wetter? Dann machen wir eben ein Experiment.

Auch der Dienstag begann mit viel Airtime. Manöverflüge am Vormittag, erste längere Thermikflüge – eigentlich alles nach Plan. Etwas spannender wurde der Blick auf die Wetterkarten für den Abend. Südwestlich von Meduno entwickelte sich eine Gewitterzelle ungewöhnlich weit draußen in unserer Adria-Bucht. Ein typischer Fall für die Frage: Was macht das jetzt mit unserem Fluggebiet?

Lara und ich nutzten die Gelegenheit für ein kleines Experiment. Beim Nachmittagsbriefing sollten diesmal nicht wir die Wetterentscheidung treffen, sondern die Teilnehmer ihre eigene Einschätzung abgeben. Das Ergebnis hat uns ehrlich beeindruckt. Die Selbsteinschätzungen waren erstaunlich präzise. Um alle Möglichkeiten offen zu halten, entschieden wir uns gemeinsam, zunächst zum Groundhandling auf den Berg zu fahren.

Und dann passierte wieder einmal etwas typisch Meduno.

Die Gewitterzelle blieb dort, wo sie hingehörte, und wir standen plötzlich bei nahezu perfekten Abendbedingungen am Startplatz. Das gemeinsame Foto von Lara und mir zeigt ziemlich genau unseren Gesichtsausdruck: Wir waren selbst überrascht, wie ruhig es tatsächlich wurde.

Ein weiterer dieser legendären Magic-Meduno-Abende.

Selbstständig fliegen bedeutet auch selbstständig entscheiden

Der Mittwoch stand zunächst ganz im Zeichen der Ausbildung. Bedeckter Himmel bedeutete Zeit für Manöverbriefings oben am Berg, eine kleine Hike-Tour zum oberen Startplatz, verschiedene Manöverflüge – und als besonderes Highlight bestand Nila erfolgreich ihre praktische A-Schein-Prüfung. Herzlichen Glückwunsch!

Eigentlich hätte dieser Tag damit schon vollkommen gelungen sein können. Doch Lara und ich wollten noch einen Schritt weitergehen.

Unser Ziel im Flugpraxistraining ist schließlich nicht nur besseres Fliegen, sondern vor allem selbstständiges Entscheiden. Also starteten wir Experiment Nummer zwei.

Wer möchte heute eigenständig – ohne Funkbegleitung – auf den Berg fahren? Und wer nutzt lieber die Zeit für weitere Manöverbesprechungen in unserer Unterkunft? Fast genau fünfzig zu fünfzig fiel die Entscheidung aus. Und beide Gruppen profitierten. Für Elmar bedeutete dieser Tag einen ganz besonderen Meilenstein: Sein erster echter Alleinflug ohne Fluglehrbegleitung. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern wurde die Situation beurteilt, Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen und umgesetzt. Genau so soll der Weg in die Eigenständigkeit aussehen.

Die andere Gruppe hatte derweil mindestens genauso viel Spaß beim Lande-Peilungsspiel und bei der gemeinsamen Entwicklung verschiedener Peilstrategien. Auch dort gab es einige echte Aha-Momente.

Und jetzt übernimmt Jochen…

Während ich diese Zeilen schreibe, ist Donnerstag. Wenn dieser Blog online geht, sitzen wir vermutlich bereits wieder an der Bar am Landeplatz (Anm. d. Red.: HA! Veröffentlichung um 12:17 Uhr, noch etwas früh für Aperol…!? 😎). Mit einem Aperol in der Hand, müden Armen, einem breiten Grinsen im Gesicht – und ganz sicher mit jeder Menge Gesprächsstoff über die Flüge des Tages.

Das nächste Hoch! (Screenshot Wetterradar Windy)
Das nächste Hoch! (Screenshot Wetterradar Windy)

Bis zum Wochenende übernimmt dann bereits das nächste Omega-Hoch die Regie. Dieses Mal heißt es Jochen. Ob Jochen genauso schweißtreibend wird wie Hartmut, wissen wir noch nicht.

Dass er uns wieder hervorragende Flugbedingungen bescheren dürfte, darauf würden wir in Meduno allerdings jederzeit wetten.

Euer Paul

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Paul und Lara in Meduno
Paul und Lara in Meduno

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