Vorgeschichte: Während einer Tagung des Weltluftsportverbandes (Federation Aeronautique Internationale, FAI. Lausanne, CH) berichtete die japanische Delegierte, dass man in Japan einen Gleitschirm verwendet, um Kindern in den Schulen eine erste Flugerfahrung zu ermöglichen.
Ein Videofilm überzeugte die erstaunten Delegierten aus der halben Welt über das sichere „Lernumfeld“.
Aufgrund des Kontakts mit Paul Seren aus Eehlfeld, eines in Europa sehr erfahrenen Gleitschirm-Fluglehrers, war es naheliegend, sein Knowhow zu nutzen, um diese japanische Idee in Hoechstadt/Aisch umzusetzen.
Klaus Strienz, Studiendirektor a.D.
Wahlfach Technisches ExperiMINTieren
Fluglehrer Paul Seren hat Luft– und Raumfahrt studiert und war bei der Firma Schaeffler bis zur Rente beschäftigt.
Seine Kinder haben das Gymnasium besucht, auch das Wahlfach „Technisches Experi-MINTieren.“
Zuerst erklärte Paul die Aerodynamik (Physik, Warum fliegt ein Flugzeug?) anhand eines funkferngesteuerten Gleitschirm-Flugmodells.
Freiwillige für Flugexperimente
Anschließend meldeten sich sofort Freiwillige für die richtigen Flugexperimente.
Auf dem linken Foto demonstriert Fluglehrer Seren das Prinzip des Gleitschirmfliegens anhand eines Modells.
Extrem wichtig sind bei der Fliegerei die Gurte, die den Körper des Piloten mit dem Flugzeug, dem Gleitschirm und dem Rettungsfallschirm verbinden.
In dem blauen Rucksack ist beim richtigen Fliegen ein Rettungsfallschirm für Notfälle enthalten.
Eine Vielzahl, anfangs verwirrend, von Schnü-ren („Strapse“)verbinden den Piloten mit dem Gleitschirm.
Das Pilotengewicht kann normalerweise bis zu 100 kg betragen.
Man muss sich schon ganz schön kräftig in die Gurte „legen“, um den Luftwiderstand des großen Schirms so zu beeinflussen, dass er sich öffnet. In der späteren Trainingsphase auf dem Sportplatz werden zwei kräftige Schüler mittels Seilen an den Gurten ebenfalls ziehen.
Damit werden dann die ersten „Kurzflüge“ möglich. Siehe oben, Foto vor der japanischen Schule.
Anfangs ist es wichtig durch den richtigen
Start den Gleitschirm zum Öffnen zu bringen.
Eine hohe Turnhalle ist für dieses Training
ideal, da kein Seitenwind den Lernprozess
stört.
Parallel zu den Startversuchen mit dem großen Schirm konnten die Schüler mit dem Modell-Gleitschirm Erfahrung sammeln.
Der Modellflug ist die ideale Voraussetzung für den späteren Pilotenschein.
Ordnung muss sein
Das richtige Zusammenlegen des Gleitschirms:
Alle Leinen auf das Segeltuch legen.
Den Gleitschirm systematisch zusammenlegen.
Die restliche Luft herauspressen und gut verschnüren.
Dipl. Ing. Luft- und Raumfahrtechnik, Fluglehrer, Tandemfluglehrer, Eingangsprüfer für Fluglehrer und Tandempiloten, Mitglied im DHV Ausbildungs-Lehrteam und in der DHV- und ÖAeC-Prüfungskommission
▸Bio
Ich stecke heute noch tief in der Vielfalt der Modellfliegerei mit all ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Genauso bin ich fasziniert, wie wir Flugzeugbau-Ingenieure und Entwickler es geschafft haben, einem Stück sinnvoll genähtem Stoff mit ein paar Schnüren daran ein sichereres Fliegen beizubringen. Für mich besonders faszinierend: Ein Gleitschirm fliegt auch ohne Beeinflussung des darunter hängenden Piloten richtig gut – und zeigt damit, wie dieses besondere Fluggerät eines der wenigen Luftfahrtgeräte überhaupt ist, welches eigenstabil fliegen kann. Eine echte Meisterleistung des Prinzips „Mach es so einfach wie möglich“.
Es gibt mir auch die Gewissheit im gesetzteren und höheren Alter bei passenden Bedingungen sicher in die Luft und durch die Luft zu kommen. Dies möchte ich gerne noch lange als Fluglehrer vermitteln und dabei meine Begeisterung für das Fliegen weitergeben.
– Paul Seren