Pauls Pilotentipp #30: Mein Saisonstart – oder: „Same procedure as every year, James“

Wer kennt das nicht:

Draußen fangen die Nachbarn und Nachbarinnen an, im Garten zu werkeln. Der letzte Schnee ist längst Geschichte, die ersten Knospen sprengen ihre Winterhüllen – und plötzlich wird einem klar: Das könnte ja schon Flugwetter sein!

In den einschlägigen Foren und sozialen Medien häufen sich die ersten Berichte von unerwarteten, magischen Thermikflügen. Papillon verschickt verlockende Angebote für Reisen („nur noch wenige Plätze frei!“), der Blick in den Himmel wirkt vielversprechend und selbst die Fußgänger-Wetterprognose zeigt vorsichtigen Optimismus für Mitteleuropa.

Also:

Schnell alle Termine für Freitag streichen, Montag vorsorglich gleich mit. Den Wochenendbesuch bei der Großtante zum runden Geburtstag mit einer halbwegs glaubwürdigen Ausrede absagen. Klamotten ins Auto, Gurtzeug, Schirm, Helm – und los geht’s! …

Oder etwa nicht?

Der Schirm…

…war doch letztes Jahr im Check. Oder war das vorletztes Jahr? – Mist.

Schneller Blick in die Kappe: Uff. Noch einen Monat gültig. Und das gleich zu Saisonbeginn. Glück gehabt. Aber kein Problem – bei der Flugschule des Vertrauens geht das sicher schnell. Nach dem Wochenende kümmere ich mich drum. Vermutlich bin ich ja sowieso der Einzige, der das verschusselt hat.

Wenn wir schon dabei sind: Die Rettung.

War das Gurtzeug nicht im Herbst etwas feucht geworden? Da wollte ich doch noch nachschauen… Aber dann kam Weihnachten. Und Silvester. Und Fasching. Wird schon passen. Kommt auf die Liste für nächste Woche zum Check.

Der Rest…

…ist sicher okay. Wo ist eigentlich das Vario? Ah, da! Eingeschaltet – natürlich. Akku – natürlich leer.

Ladekabel? Weg. Kurzer Abstecher ins Zimmer eines meiner Söhne – er wird ein Kabel weniger schon nicht vermissen.
Angesteckt.

Und dann diese freundliche Meldung: FLARM-Lizenz abgelaufen, Lufträume nicht mehr aktuell.

Natürlich.

Draußen ist es inzwischen dunkel. Ich wollte doch längst fertig sein. Luftfahrerschein und IPPI-Card sind bestimmt im Gurtzeug… Nein. Sind sie nicht. Die Handschuhe? Auch nicht. Der Helm? Riecht… sagen wir: interessant.

Groundhandling hätte ich ja mal machen können in den letzten Monaten. Wetter gab es genug. Wiesen auch.
Aber dann war ja… Weihnachten und der Rest… (du kennst das schon).

Die Handschuhe tauchen schließlich auf. Leicht perforiert, aber noch saisontauglich. Im Rucksack entdecke ich außerdem einen Müsliriegel – zerquetscht, zerknittert und definitiv jenseits seines Haltbarkeitsdatums. Gut das „Mindestens haltbar bis“ nicht „Tödlich ab“ bedeutet. Aber hey: Für eine Außenlandung reicht’s.

Jetzt noch schnell der Wettercheck:

Burnair, Windy, Meteo Parapente – alles an Apps da. Aber: Login für das Premium Abo vergessen. Lizenz abgelaufen. Menüführung neu. Irgendwas war da doch mit Webinaren im Winter,  aber Weihnachten und … – siehe oben.

Wird schon passen.

Also: Wohin?

Am besten ein vertrautes Gelände für den Wiedereinstieg. Kurzer Blick auf die Website der Bergbahn: Klar, Preise erhöht, aber viel schlimmer: Revision ab diesem Wochenende!

Natürlich.

Die Welt hat sich eindeutig gegen mich verschworen.
Und das trotz meiner hervorragenden Vorbereitung.

Ich will jetzt fliegen. Unbedingt.
Wenn nötig mit Gewalt.
Das wird schon gutgehen. Oder?

Diese Geschichte ließe sich beliebig fortsetzen – du ahnst es.
Deshalb hier eine kleine, ehrliche Checkliste für den Saisonstart (idealerweise nicht erst am Vorabend abarbeiten):

Checkliste für den Saisonstart

Ausrüstung

  • Schirm-Check noch gültig?
  • Rettung frisch gepackt (idealerweise mit Wurftraining)?
  • Gurtzeug trocken und intakt?
  • Akkus geladen?
  • Vario: Software & Lufträume aktuell?
  • Funkgerät einsatzbereit, Frequenzen einstellen noch geläufig?
  • Powerbank funktionstüchtig?
  • Alle Kabel und Ladegeräte auffindbar?
  • Apps aktuell – und du weißt noch, wie sie funktionieren?
  • Lizenz(en), IPPI-Card, Ausweis und andere wichtige Dokumente (Gesundheit, Versicherung, Kontakte…) und etwas Bargeld für alle Fälle im Gepäck?
  • Reiseapotheke komplett und aktuell?

Kleidung

  • Passende Schichten für Temperatur und Höhe?
  • Wind- und wettergerechte Ausrüstung vollständig?
  • Sonnenbrille / Sonnenschutz?

Fluggebiet / Wetter

  • Gelände offen (keine Revision der Bergbahn, keine NOTAMs/Luftraumeinschränkungen  wegen wichtiger Regierungstreffen?)
  • Wetter-Bedingungen passend für deinen Wiedereinstieg?
  • Realistische Selbsteinschätzung vorhanden statt „wird schon gehen“?

Persönlich / Mental

  • Start- und Landetechnik noch präsent?
  • Kopf frei von Alltagsstress?
  • Fliegst du, weil du wirklich willst – oder weil du „musst“ und jemandem was „beweisen willst“?

Meine Tipps zum Saisonstart

  • Sei ehrlich zu dir selbst.
  • Plane frühzeitig.
  • Und fang nicht erst am Abend vor dem ersten Flug damit an. Oder nimm Dir den nächsten möglichen Termin.

Ein persönlicher Nachsatz:

Ich selbst habe kürzlich das Checkdatum meines Lieblingsschirms übersehen. Auch mir passieren solche Dinge. Zum Glück gab es einen passenden Testschirm bei der Flugschule und der Checkbetrieb auf der Wasserkuppe konnte schnell helfen.

Aber: Das hätte ich auch Monate vorher entspannt erledigen können.

Konkrete Empfehlung:

👉 Mach dir jedes Jahr einen festen „Saison-Check-Termin“ – am besten mitten im Winter.
Dann startet die Saison nicht mit Stress, sondern mit noch mehr Vorfreude.

Viel Spaß bei deinem ersten Wiedereinstiegsflug 2026!

Dein Paul

Paul Seren

Paul Seren
ist Papillon-Fluglehrer, Dipl.Ing. der Luft- und Raumfahrttechnik, Mitglied im DHV-Lehrteam, begeisterter Flugsportler der ersten Stunde und Tandempilot.

In seinem Blog „Pauls Pilotentipps“ informiert er in loser Folge über Wissenswertes und Aktuelles rund ums Gleitschirmfliegen.

paul@papillon.de

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2026-03-19
Papillon Fliegermail vom 19.03.2026:
Flugwetterprognose, Pauls Pilotentipp #30 zum Saisonstart (mit Checkliste), Gleitschirmkurs als Bildungsurlaub, Restplätze Rhossili Bay und Bassano, Lanzarote-Fazit, Weltcup-Auftakt in Lüsen, Feedback Weiterlesen...